Erkennen, wann etwas erfüllt ist.

Manche Orte begleiten dich länger, als du ahnst.
Weikersheim ist so ein Ort für mich.
Vor vielen Jahren war ich hier selbst als junger Sänger zu Gast. Im Chor der Sommeroper-Produktion der Jeunesses Musicales Deutschland.
Später kam ich zurück: ab 2012 als Juror beim Internationalen Gesangswettbewerb DEBUT, seit 2022 dann als Workshop-Leiter zu einem meiner Herzensthemen: Mentale Stärke für professionelle Opernsänger:innen.
Und in der vergangenen Woche zusätzlich noch in einer anderen Rolle: als Musikexperte für ZEIT REISEN.
Dieses Foto entstand im Gewehrhaus von Schloss Weikersheim, genauer: im Prinz-Constantin-Saal. Genau dort, wo wenige Tage zuvor noch Vorrunden und Semifinale des Wettbewerbs stattgefunden hatten. Und wo ich nun im Rahmen eines exklusiven Backstage-Tages Dr. Ulrich Wüster, Generalsekretär der JMD, und Clarry Bartha, Künstlerische Leiterin von DEBUT, interviewen durfte.
Ein Ort.
Viele Geschichten.
Sehr unterschiedliche Rollen für mich.
Und diesmal auch: viele Abschiede.
Clarry beendet nach zehn überaus erfolgreichen Jahren ihre Zeit als Künstlerische Leiterin. Der Wettbewerb wird in dieser Form vermutlich nicht weitergeführt. Und damit endet auch mein Workshop-Kapitel dort, zumindest so, wie ich es in den vergangenen Jahren erleben und mitgestalten durfte.
Zugleich war dies meine letzte Musikreise für ZEIT REISEN.
Eine klare und sehr bewusste Entscheidung. Keine leichte.
Wenn ich auf all die Jahre in Weikersheim zurückblicke, ist da vor allem große Dankbarkeit: für die besonderen Menschen & Begegnungen, die großartige Musik, das gemeinsame Wachsen, die intensiven Erfahrungen und viele unvergessliche Momente.
Und ja: Diese geballte Form von Abschied war zwischendurch ganz schön emotional.
Das durfte sie auch sein. Gefühle wollen gefühlt werden.
Und ich halte viel davon, die Dinge nicht einfach nur zu beenden, sondern sie noch einmal sehr bewusst wahrzunehmen, solange sie noch sind.
Ein letzter Gang durchs Schloss. Durch den berühmten Garten. Ein Innehalten in „meinem“ Workshop-Raum. Noch einmal ganz präsent im Prinz-Constantin-Saal stehen.
Den Abschluss direkt schon in den Körper bekommen.
Das war emotional. Und wunderbar.
Denn ich weiß, all das wird Teil von mir bleiben.
Und zugleich war da sehr klar das andere Gefühl:
Es ist gut, dass es endet.
In der Regel denken wir bei Entwicklung an Bewegung und Kontinuität: beginnen. wachsen. dranbleiben.
Mindestens genauso entscheidend ist die Fähigkeit zu erkennen, wann etwas erfüllt ist.
Für mich ist das oft der schwierigere Teil.
Denn etwas loszulassen, das schön, stimmig und bedeutungsvoll war, braucht eine andere Form von Klarheit.
Eine Klarheit, die sagt:
Es darf jetzt anders weitergehen.
Ankommen.
Bei dem, was ist.
Und bei dem, was jetzt dran ist.
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